Prag
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Pat sitzt in der Küche ihrer Eltern in Heidelberg. Wütend. Weinend. Verzweifelt. Trotzig.
"Tochter. Es gibt Schlimmeres auf der Welt". Ihr Vater versteht gerade gar nichts. Oder will auch gar nicht verstehen. Und Pat weiß gerade nicht, was davon schlimmer ist.
"Schlimmeres als einen untreuen Ehemann? Sicher. Im eigenen Bett. Da wird es schon ein bisschen schwieriger. 10 Minuten nachdem ich das Haus verlassen habe? Das Bett quasi noch warm von mir. Okay, wenn ich das Messer genommen hätte und sie getötet und jetzt im Knast sitzen würde ... ja, wäre vermutlich schlimmer. Zumindest für mich. Ihr hättet mich zumindest nicht an der Backe ..."
"Ruf deinen Chef an, frag zumindest mal, ob du die Kündigung zurückziehen kannst. Er weiß doch auch, dass das eine Übersprungshandlung war ..."
"Ja. Papa. Er weiß dass. Und 2 Dinge dazu. Erstens: du würdest Mama nie betrügen. Und Zweitens: Ich will und werde mit dieser Bitch nicht weiter zusammen arbeiten!"
Pat rennt aus der Küche, in ihr altes Kinderzimmer, in dem sie vorübergehend untergekommen ist. "Aaaaaaaaaaahhhh!!!!" Sie packt ein paar Klamotten in die Reisetasche. Bevor ihre Eltern reagieren können, sitzt sie im Taxi zum Bahnhof. Checkt die Depature-Anzeige. Der nächste Zug geht nach Prag. Prag wie prima.
Ankunft am frühen Morgen. Während der Fahrt hat Pat zumindest schon mal ein Hotelzimmer gebucht. Bah, von wegen impulsiv und Übersprungshandlung. Immer noch strukturiert und Werbestrategin. Vielleicht ein Job in Prag? Oder Dubai? Oder Mond?
Es ist kühl in Prag. Regnerisch. Trotz der frühen Uhrzeit warten jede Menge Taxis vor dem Bahnhof. Irgendwas muss ja auch mal klappen. Schmale Straßen. Alte Gebäude. Brücken über die Moldau. Und irgendwo thront da die Burg über allem.
Der Nachtportier gähnt müde. Normalerweise ist Check-In erst ab 10. Aber läuft gerade. Zimmer frei, Schlüssel, Frühstück.
Pat verbringt den Tag in Prag.
Sie läuft. Zu viel. Und ohne Ziel. Was angenehm ist, wenn man gerade nichts hat, das man erreichen möchte.
Die Stadt wirkt, als hätte sie sich über Jahrhunderte zusammengefaltet. Enge Gassen, die sich plötzlich öffnen, Plätze, die aussehen, als hätte jemand sie absichtlich versteckt. Der Boden unter ihren Füßen ist uneben, glattgetreten, stellenweise rutschig. Feuchter Stein, der den Regen nicht mehr ganz loslässt. Pat geht vorsichtig, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Sie setzt sich in ein Café, dessen Namen sie nicht aussprechen kann. Der Kaffee ist bitter und stark, serviert in einer schweren Tasse, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Neben ihr unterhalten sich zwei Menschen leise auf Tschechisch. Sie versteht kein Wort, hört aber den Rhythmus, das Auf und Ab. Es ist seltsam beruhigend, nichts verstehen zu müssen.
Pat beobachtet. Menschen mit Regenschirmen, die aussehen, als hätten sie es eilig, ohne wirklich zu wissen wohin. Touristen, die stehen bleiben, Fotos machen, weiterziehen. Sie selbst gehört zu keiner dieser Gruppen. Zum ersten Mal seit Langem stört sie das nicht.
Am frühen Nachmittag kauft sie sich etwas zu essen, obwohl sie keinen Hunger hat. Eine warme Teigtasche, fettig, schwer. Sie isst sie trotzdem. Mechanisch. Struktur. Funktionieren. Wenigstens das.
Sie überquert eine Brücke. Die Moldau liegt träge unter ihr, dunkel, fast schwarz, nur gelegentlich durchbrochen von Lichtreflexen. Pat lehnt sich ans Geländer, schaut hinunter und denkt kurz daran, wie einfach es wäre, jetzt einfach stehen zu bleiben. Nicht springen. Nur nicht weitergehen. Der Gedanke ist flüchtig, aber er bleibt einen Moment zu lang.
Am Abend ist sie müde. Nicht körperlich. Eher so, als hätte jemand den inneren Widerstand heruntergedreht. Eine kleine Kneipe, zufällig entdeckt. Ein Glas Wein. Etwas Warmes zu essen. Die Musik ist falsch. Piano und Geige. Zu nah. Zu gefühlvoll. Der Mann an der Bar lächelt sie an, sagt etwas auf Englisch, zu selbstsicher, zu routiniert. Pat lächelt kurz zurück, um höflich zu sein, und steht dann auf.
Draußen ist es kälter geworden. Der Regen hat aufgehört, aber die Straßen glänzen noch. Das Kopfsteinpflaster spiegelt das Licht der Laternen. Pat zieht den Mantel enger um sich und geht Richtung Hotel. Sie kennt den Weg. Zumindest glaubt sie das.
Sie läuft am Fluss entlang. Verloren in Gedanken. Warum bin ich hier und was jetzt? Die Straßenlaterne flackert als sie daran vorbei geht. Pat nimmt es unterbewusst wahr, denkt nicht weiter darüber nach. Bei der zweiten flackernden Lampe denkt sie noch an Energieprobleme. Aber irgendetwas in ihr triggert, wenn ich vorbei bin, geht sie ja wieder an.
Fünfte Latene. Direkt vor der Brücke. Pat sieht ihr Hotel schon. Und die Laterne flackert, verlischt. Sie wirbelt herum. Die Straße hinter ihr ist leer. Unaufällig. Sie dreht sich wieder um - und da steht er. Keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist. Erst steht einfach da, nimmt sie wahr. Schlank, groß gewachsen, die Haare nach hinten gekämmt. Dunkler Anzug, weißes Hemd. Schwarzer Umhang. Wer trägt so etwas heutzutage noch. Aber das beunruhigendste sind seine Augen. Tiefschwarz. Ein paar goldene Sprenkel um die Pupille.
Pat sieht ihn an.
„Es gibt keine Vampire“, sagt sie.
Ihre Stimme klingt ruhiger, als sie sich fühlt. Fast gelangweilt. Als hätte sie gerade festgestellt, dass die Milch sauer ist und man halt neue kaufen muss. Sie verschränkt die Arme, mehr aus Gewohnheit als aus Mut.
Er lächelt.
Nicht breit. Nicht freundlich.
Eher so, als hätte sie gerade etwas sehr Amüsantes gesagt, ohne es zu wissen.
„Natürlich nicht“, sagt er. Seine Stimme ist ruhig, dunkel, mit einem Akzent, den sie nicht einordnen kann. „Es gibt auch keine Drachen. Und keine Götter. Und keine Entscheidungen, die man später bereut.“
Pat schluckt. Nur einmal.
Auf der anderen Seite der Brücke bewegt sich etwas. Ein Mann tritt aus dem Schatten. Groß, kantig, schwarzer Mantel, schwarzer Humor in Menschengestalt. Er bleibt stehen, lehnt sich lässig gegen das Geländer, als hätte er Zeit. Viel Zeit.
Hinter Pat hört sie ein Geräusch.
Krallen auf Stein.
Langsam. Absichtlich.
Sie schließt kurz die Augen.
„Scheißdreck“, murmelt sie.
Wegrennen ist keine Option. War es nie. Nicht bei der Art, wie er einfach da gestanden hat, als wäre Raum optional. Und auch nicht mit dem, was hinter ihr wartet und offensichtlich keine Eile hat.
„Was ist das hier?“, fragt sie. „Casting? Survival-Game? Schlechter Scherz?“
Er tritt einen Schritt näher. Nicht bedrohlich. Eher respektvoll. Als würde er eine Grenze anerkennen, die sie selbst gerade erst wahrnimmt.
„Eine Einladung“, sagt er. „Mehr nicht.“
„Und wenn ich ablehne?“
Er zuckt leicht mit den Schultern.
„Dann wirst du dich mit ihnen beschäftigen müssen.“
Der Mann auf der Brücke hebt kurz die Hand. Fast freundlich.
Hinter ihr kratzt etwas über den Stein. Näher jetzt. Ungeduldig.
Pat lacht. Ein kurzes, hartes Geräusch.
„Weißt du was? Mein Mann hat mich betrogen. Mein Vater hält das für ein lösbares Problem. Ich habe meinen Job gekündigt. Und ich bin heute Morgen spontan in einem Land aufgewacht, dessen Sprache ich nicht spreche.“
Sie sieht ihn an. Direkt.
„Du bist im Moment ehrlich gesagt nicht mal in den Top Drei meiner schlechtesten Optionen.“
Sein Lächeln wird schmaler. Zufriedener.
Er hält ihr den Arm hin. Keine Berührung. Nur das Angebot.
„Du kannst gehen, wohin du willst“, sagt er. „Du kannst bleiben. Kämpfen. Sterben. Oder du begleitest mich.“
Pat schaut noch einmal zur Brücke.
Dann über die Schulter.
Dann wieder zu ihm.
„Nur damit wir uns richtig verstehen“, sagt sie. „Ich glaube immer noch nicht an Vampire.“
„Das ist in Ordnung“, antwortet er ruhig. „Ich glaube im Moment auch nicht an Zufälle.“
Nun, letztendlich ist Pat das zu billig, Einfach mitgehen und sich ausliefern. Nein. Dazu ist sie nicht nach Prag gekommen. Sie lächelt kurz und sagt: -"Sorry, aber aufgeben war noch nie eine Option für mich."
Ihre Füße sind taub, dann schmerzhaft, dann wieder taub. Sie bleibt stehen, weil ihr schwindelig wird, nicht aus Einsicht.
Ein kleiner Platz. Kein Name, kein Denkmal, nichts, was ihn wichtig macht. Nur Stein, ein paar Bäume, eine Bank. Und Stille.
„Setz dich.“
Die Stimme kommt von links. Ruhig. Tief. Kein Befehl, eher ein Hinweis.
Pat fährt herum.
Er steht nicht im Schatten. Er steht einfach da. Groß, breitschultrig, dunkle Kleidung, unauffällig. Kein Umhang, kein Pathos. Die Haare kurz, das Gesicht kantig, die Augen aufmerksam, aber nicht gierig.
„Wenn du umfällst, wirst du interessant“, sagt er. „Und das willst du gerade nicht.“
Pat zögert. Dann setzt sie sich.
Nicht, weil sie ihm vertraut.
Sondern weil er recht hat.
„Du bist barfuß“, stellt er fest.
„Ja.“
„Schlecht.“
Sie lacht kurz. Atemlos. „Das ist eine sehr neue Kategorie von Problemen für mich.“
Er nickt, als würde er das akzeptieren. „Das glaube ich.“
Ein Moment vergeht. Vielleicht zwei.
„Du bist kein Vampir“, sagt Pat schließlich.
„Nein.“
„Gut.“
„Das reicht nicht.“
Pat schließt kurz die Augen. „Natürlich reicht das nicht. Wer oder was bist du? Werwolf?“
Er setzt sich nicht. Bleibt stehen. Ich bevorzuge Wächter. Plötzlich ein sehr passendes Wort. Nicht wegen Kraft. Wegen Präsenz.
„Du hast heute Nacht jemandem die Wahl verweigert“, sagt er.
„Ich habe meine Wahl getroffen.“
„Ja.“ Ein kaum merkliches Lächeln. „Das ist nicht dasselbe.“
Sie sieht ihn an. „Kannst du bitte einfach… erklären, was hier los ist? Nur grob. Ich brauche kein Handbuch. Nur… eine Ahnung.“
Er denkt kurz nach. Wirklich nach.
Dann sagt er: „Es gibt Dinge, die jagen. Und Dinge, die schützen. Und Dinge, die beides tun, je nach Situation.“
„Und ich?“
„Du bist gesehen worden.“
Pat schluckt. „Das klingt nicht gut.“
„Ist es auch nicht.“ Er zögert. „Aber es ist noch nicht schlimm.“
Sie atmet langsam aus. „Das ist die beruhigendste schlechte Nachricht meines Lebens.“
Er mustert sie. Länger. Nicht taxierend. Prüfend.
„Du hast eine Markierung“, sagt er schließlich. „Noch schwach. Aber da.“
„Kann man die abwaschen?“, fragt Pat trocken.
„Nein.“
„Super.“
„Du wirst jetzt Dinge bemerken“, fährt er fort. „Blicke. Pausen. Menschen, die keine sind. Und welche, die es zu sehr sind.“
„Und du bist…?“
„Nicht dein Retter.“ Ein kurzer Blick. „Nicht dein Feind.“
„Das hilft mir gerade wahnsinnig.“
„Ich weiß.“ Eine Spur von Humor. „Ich halte dich am Leben, solange du nichts Dummes tust.“
„Was gilt als dumm?“
Er schaut sie direkt an. „Alle Entscheidungen, die du aus Angst triffst.“
Stille.
Irgendwo in der Ferne hört Pat ein Auto. Stimmen. Alltag. Fast absurd normal.
„Und jetzt?“, fragt sie.
Der Wächter neigt leicht den Kopf. „Jetzt bringe ich dich an einen Ort, an dem du nicht sofort auffällst.“
„Und dann?“
„Dann fängst du an, Fragen zu stellen.“
Ein Beat.
„Und ich entscheide, welche ich beantworte.
Ihre Füße sind taub, dann schmerzhaft, dann wieder taub. Sie bleibt stehen, weil ihr schwindelig wird, nicht aus Einsicht.
Ein kleiner Platz. Kein Name, kein Denkmal, nichts, was ihn wichtig macht. Nur Stein, ein paar Bäume, eine Bank. Und Stille.
„Setz dich.“
Die Stimme kommt von links. Ruhig. Tief. Kein Befehl, eher ein Hinweis.
Pat fährt herum.
Er steht nicht im Schatten. Er steht einfach da. Groß, breitschultrig, dunkle Kleidung, unauffällig. Kein Umhang, kein Pathos. Die Haare kurz, das Gesicht kantig, die Augen aufmerksam, aber nicht gierig.
„Wenn du umfällst, wirst du interessant“, sagt er. „Und das willst du gerade nicht.“
Pat zögert. Dann setzt sie sich.
Nicht, weil sie ihm vertraut.
Sondern weil er recht hat.
„Du bist barfuß“, stellt er fest.
„Ja.“
„Schlecht.“
Sie lacht kurz. Atemlos. „Das ist eine sehr neue Kategorie von Problemen für mich.“
Er nickt, als würde er das akzeptieren. „Das glaube ich.“
Ein Moment vergeht. Vielleicht zwei.
„Du bist kein Vampir“, sagt Pat schließlich.
„Nein.“
„Gut.“
„Das reicht nicht.“
Pat schließt kurz die Augen. „Natürlich reicht das nicht. Wer oder was bist du? Werwolf?“
Er setzt sich nicht. Bleibt stehen. Ich bevorzuge Wächter. Plötzlich ein sehr passendes Wort. Nicht wegen Kraft. Wegen Präsenz.
„Du hast heute Nacht jemandem die Wahl verweigert“, sagt er.
„Ich habe meine Wahl getroffen.“
„Ja.“ Ein kaum merkliches Lächeln. „Das ist nicht dasselbe.“
Sie sieht ihn an. „Kannst du bitte einfach… erklären, was hier los ist? Nur grob. Ich brauche kein Handbuch. Nur… eine Ahnung.“
Er denkt kurz nach. Wirklich nach.
Dann sagt er: „Es gibt Dinge, die jagen. Und Dinge, die schützen. Und Dinge, die beides tun, je nach Situation.“
„Und ich?“
„Du bist gesehen worden.“
Pat schluckt. „Das klingt nicht gut.“
„Ist es auch nicht.“ Er zögert. „Aber es ist noch nicht schlimm.“
Sie atmet langsam aus. „Das ist die beruhigendste schlechte Nachricht meines Lebens.“
Er mustert sie. Länger. Nicht taxierend. Prüfend.
„Du hast eine Markierung“, sagt er schließlich. „Noch schwach. Aber da.“
„Kann man die abwaschen?“, fragt Pat trocken.
„Nein.“
„Super.“
„Du wirst jetzt Dinge bemerken“, fährt er fort. „Blicke. Pausen. Menschen, die keine sind. Und welche, die es zu sehr sind.“
„Und du bist…?“
„Nicht dein Retter.“ Ein kurzer Blick. „Nicht dein Feind.“
„Das hilft mir gerade wahnsinnig.“
„Ich weiß.“ Eine Spur von Humor. „Ich halte dich am Leben, solange du nichts Dummes tust.“
„Was gilt als dumm?“
Er schaut sie direkt an. „Alle Entscheidungen, die du aus Angst triffst.“
Stille.
Irgendwo in der Ferne hört Pat ein Auto. Stimmen. Alltag. Fast absurd normal.
„Und jetzt?“, fragt sie.
Der Wächter neigt leicht den Kopf. „Jetzt bringe ich dich an einen Ort, an dem du nicht sofort auffällst.“
„Und dann?“
„Dann fängst du an, Fragen zu stellen.“
Ein Beat.
„Und ich entscheide, welche ich beantworte.
Am nächsten Morgen fühlt sich Prag weniger fremd an. Nicht vertraut. Nur… benutzbar.
Pat duscht lange. Zu lange. Das Wasser ist heiß, ihre Füße brennen, als würde der Schmerz sich beschweren, dass er ignoriert wurde. Sie zieht das an, was am wenigsten nach Flucht aussieht. Jeans. Pullover. Nichts Dramatisches.
Beim Rausgehen nickt der Nachtportier ihr zu. Oder der Frühportier. Sie weiß nicht, ob es derselbe ist. Sie nickt zurück. Alltag ist eine Übereinkunft.
Draußen ist die Stadt grau, aber wach. Kaffee, Straßenbahn, Schritte. Menschen, die Termine haben.
Pat läuft ohne Ziel. Absichtlich. Das klappt erstaunlich gut.
Dann sieht sie das Schild.
Eine Werbeagentur. Glasfront. Schlichte Typografie. Drinnen stehen zwei Pflanzen, die aussehen, als würden sie regelmäßig gegossen. Kein Startup-Chaos, kein kreatives Geschrei. Einfach… Arbeit.
Eine Frau öffnet die Tür. Anfang dreißig vielleicht. Kopfhörer um den Hals, Handy in der Hand, leicht genervter Gesichtsausdruck. Pat erkennt ihn sofort. Den kennt sie. Nicht die Frau – den Zustand.
Bevor Pat nachdenken kann, sagt sie:
„Entschuldigung.“
Die Frau bleibt stehen, schaut sie an.
„Brauchen Sie vielleicht noch eine Werbetexterin?“
Stille. Eine Sekunde zu lang. Zwei.
„Äh“, sagt die Frau. „Jetzt gerade?“
Pat zuckt mit den Schultern. „Jetzt gerade. Oder bald. Oder irgendwann.“
Die Frau mustert sie. Barfuß ist sie nicht mehr, aber ihre Schuhe sind nicht dafür gemacht, lange zu stehen. Pat merkt, dass sie leicht zittert. Sie hasst das.
„Haben Sie…“, beginnt die Frau.
„Zehn Jahre Erfahrung“, sagt Pat. „Marke, Kampagne, Strategie. Ich kann verkaufen, ohne zu lügen. Meistens.“
Ein Mundwinkel der Frau zuckt.
„Haben Sie einen Lebenslauf?“
Pat schüttelt den Kopf. „Im Hotel. Und im Kopf.“
Wieder diese Pause. Dann seufzt die Frau. Nicht genervt. Eher müde.
„Kommen Sie rein. Fünf Minuten.“
Drinnen riecht es nach Kaffee und Papier. Pat setzt sich auf einen Stuhl, der ein bisschen zu niedrig ist. Ihr Herz klopft. Nicht wegen Angst. Wegen Normalität.
„Woher kommen Sie?“, fragt die Frau.
„Von einem schlechten Tag“, sagt Pat ehrlich. „Und aus Deutschland.“
„Wann könnten Sie anfangen?“
Pat denkt an die Nacht. An Laternen. An Krallen auf Stein. An einen Mann, der gesagt hat, sie sei gesehen worden.
„Jetzt“, sagt sie.
Die Frau nickt langsam. „Okay.“
Und in diesem Moment merkt Pat etwas sehr Unangenehmes:
Niemand hier sieht irgendetwas an ihr.
Keine Markierung. Kein Leuchten. Kein Wissen.
Nur eine Frau, die Arbeit sucht.
Und das ist fast beunruhigender als alles andere.
Pat duscht lange. Zu lange. Das Wasser ist heiß, ihre Füße brennen, als würde der Schmerz sich beschweren, dass er ignoriert wurde. Sie zieht das an, was am wenigsten nach Flucht aussieht. Jeans. Pullover. Nichts Dramatisches.
Beim Rausgehen nickt der Nachtportier ihr zu. Oder der Frühportier. Sie weiß nicht, ob es derselbe ist. Sie nickt zurück. Alltag ist eine Übereinkunft.
Draußen ist die Stadt grau, aber wach. Kaffee, Straßenbahn, Schritte. Menschen, die Termine haben.
Pat läuft ohne Ziel. Absichtlich. Das klappt erstaunlich gut.
Dann sieht sie das Schild.
Eine Werbeagentur. Glasfront. Schlichte Typografie. Drinnen stehen zwei Pflanzen, die aussehen, als würden sie regelmäßig gegossen. Kein Startup-Chaos, kein kreatives Geschrei. Einfach… Arbeit.
Eine Frau öffnet die Tür. Anfang dreißig vielleicht. Kopfhörer um den Hals, Handy in der Hand, leicht genervter Gesichtsausdruck. Pat erkennt ihn sofort. Den kennt sie. Nicht die Frau – den Zustand.
Bevor Pat nachdenken kann, sagt sie:
„Entschuldigung.“
Die Frau bleibt stehen, schaut sie an.
„Brauchen Sie vielleicht noch eine Werbetexterin?“
Stille. Eine Sekunde zu lang. Zwei.
„Äh“, sagt die Frau. „Jetzt gerade?“
Pat zuckt mit den Schultern. „Jetzt gerade. Oder bald. Oder irgendwann.“
Die Frau mustert sie. Barfuß ist sie nicht mehr, aber ihre Schuhe sind nicht dafür gemacht, lange zu stehen. Pat merkt, dass sie leicht zittert. Sie hasst das.
„Haben Sie…“, beginnt die Frau.
„Zehn Jahre Erfahrung“, sagt Pat. „Marke, Kampagne, Strategie. Ich kann verkaufen, ohne zu lügen. Meistens.“
Ein Mundwinkel der Frau zuckt.
„Haben Sie einen Lebenslauf?“
Pat schüttelt den Kopf. „Im Hotel. Und im Kopf.“
Wieder diese Pause. Dann seufzt die Frau. Nicht genervt. Eher müde.
„Kommen Sie rein. Fünf Minuten.“
Drinnen riecht es nach Kaffee und Papier. Pat setzt sich auf einen Stuhl, der ein bisschen zu niedrig ist. Ihr Herz klopft. Nicht wegen Angst. Wegen Normalität.
„Woher kommen Sie?“, fragt die Frau.
„Von einem schlechten Tag“, sagt Pat ehrlich. „Und aus Deutschland.“
„Wann könnten Sie anfangen?“
Pat denkt an die Nacht. An Laternen. An Krallen auf Stein. An einen Mann, der gesagt hat, sie sei gesehen worden.
„Jetzt“, sagt sie.
Die Frau nickt langsam. „Okay.“
Und in diesem Moment merkt Pat etwas sehr Unangenehmes:
Niemand hier sieht irgendetwas an ihr.
Keine Markierung. Kein Leuchten. Kein Wissen.
Nur eine Frau, die Arbeit sucht.
Und das ist fast beunruhigender als alles andere.
Pat duscht lange. Zu lange. Das Wasser ist heiß, ihre Füße brennen, als würde der Schmerz sich beschweren, dass er ignoriert wurde. Sie zieht das an, was am wenigsten nach Flucht aussieht. Jeans. Pullover. Nichts Dramatisches.
Pat duscht lange. Zu lange. Das Wasser ist heiß, ihre Füße brennen, als würde der Schmerz sich beschweren, dass er ignoriert wurde. Sie zieht das an, was am wenigsten nach Flucht aussieht. Jeans. Pullover. Nichts Dramatisches.
Beim Rausgehen nickt der Nachtportier ihr zu. Oder der Frühportier. Sie weiß nicht, ob es derselbe ist. Sie nickt zurück. Alltag ist eine Übereinkunft.
Draußen ist die Stadt grau, aber wach. Kaffee, Straßenbahn, Schritte. Menschen, die Termine haben.
Pat läuft ohne Ziel. Absichtlich. Das klappt erstaunlich gut.
Dann sieht sie das Schild.
Eine Werbeagentur. Glasfront. Schlichte Typografie. Drinnen stehen zwei Pflanzen, die aussehen, als würden sie regelmäßig gegossen. Kein Startup-Chaos, kein kreatives Geschrei. Einfach… Arbeit.
Eine Frau öffnet die Tür. Anfang dreißig vielleicht. Kopfhörer um den Hals, Handy in der Hand, leicht genervter Gesichtsausdruck. Pat erkennt ihn sofort. Den kennt sie. Nicht die Frau – den Zustand.
Bevor Pat nachdenken kann, sagt sie:
„Entschuldigung.“
Die Frau bleibt stehen, schaut sie an.
„Brauchen Sie vielleicht noch eine Werbetexterin?“
Stille. Eine Sekunde zu lang. Zwei.
„Äh“, sagt die Frau. „Jetzt gerade?“
Pat zuckt mit den Schultern. „Jetzt gerade. Oder bald. Oder irgendwann.“
Die Frau mustert sie. Barfuß ist sie nicht mehr, aber ihre Schuhe sind nicht dafür gemacht, lange zu stehen. Pat merkt, dass sie leicht zittert. Sie hasst das.
„Haben Sie…“, beginnt die Frau.
„Zehn Jahre Erfahrung“, sagt Pat. „Marke, Kampagne, Strategie. Ich kann verkaufen, ohne zu lügen. Meistens.“
Ein Mundwinkel der Frau zuckt.
„Haben Sie einen Lebenslauf?“
Pat schüttelt den Kopf. „Im Hotel. Und im Kopf.“
Wieder diese Pause. Dann seufzt die Frau. Nicht genervt. Eher müde.
„Kommen Sie rein. Fünf Minuten.“
Drinnen riecht es nach Kaffee und Papier. Pat setzt sich auf einen Stuhl, der ein bisschen zu niedrig ist. Ihr Herz klopft. Nicht wegen Angst. Wegen Normalität.
„Woher kommen Sie?“, fragt die Frau.
„Von einem schlechten Tag“, sagt Pat ehrlich. „Und aus Deutschland.“
„Wann könnten Sie anfangen?“
Pat denkt an die Nacht. An Laternen. An Krallen auf Stein. An einen Mann, der gesagt hat, sie sei gesehen worden.
„Jetzt“, sagt sie.
Die Frau nickt langsam. „Okay.“
Und in diesem Moment merkt Pat etwas sehr Unangenehmes:
Niemand hier sieht irgendetwas an ihr.
Keine Markierung. Kein Leuchten. Kein Wissen.
Nur eine Frau, die Arbeit sucht.
Und das ist fast beunruhigender als alles andere.
Wenn du willst, können wir als Nächstes:
die erste Irritation im Arbeitsalltag schreiben
oder eine Szene, in der der Wächter unerwartet wieder auftaucht – unauffällig
oder eine Situation, in der Pat merkt: Nicht alle sehen nichts.
Sag mir einfach, wo es weiterziehen soll.
Ich würde mal sagen, wir machen jetzt erst mal mit dem Job weiter. Es muss ja irgendwie einen Hauch von Normalität geben, damit das Ganze irgendwo, zumindest mal seitenmäßig, sich ein wenig füllt. Wir machen eine Marketing-Kampagne für Prag. Haha, gute Idee. Ich lache jetzt schon. Nein, wir können auch was anderes nehmen. Aber auf jeden Fall machen wir irgendwie eine Kampagne. Und wir können auch Gucci-Stilettos nehmen oder es ist eigentlich egal. Auf jeden Fall fange ich an zu arbeiten und meinen Platz in dieser Stadt irgendwo zu erkämpfen. Einzunehmen. Und der Rest von den Wesen, die da rumwimmeln, interessiert mich jetzt erst mal nicht. Sehr gut. Dann machen wir Arbeit.
Nicht sexy. Nicht mystisch. Tragfähig.
Ich schreibe dir wieder eine Fortsetzungs-Szene, ruhig, fokussiert, mit diesem unterschwelligen „Ich richte mich hier ein, ob ihr wollt oder nicht“. Die Wesen bleiben draußen. Absichtlich.
Beim Rausgehen nickt der Nachtportier ihr zu. Oder der Frühportier. Sie weiß nicht, ob es derselbe ist. Sie nickt zurück. Alltag ist eine Übereinkunft.
Draußen ist die Stadt grau, aber wach. Kaffee, Straßenbahn, Schritte. Menschen, die Termine haben.
Pat läuft ohne Ziel. Absichtlich. Das klappt erstaunlich gut.
Dann sieht sie das Schild.
Eine Werbeagentur. Glasfront. Schlichte Typografie. Drinnen stehen zwei Pflanzen, die aussehen, als würden sie regelmäßig gegossen. Kein Startup-Chaos, kein kreatives Geschrei. Einfach… Arbeit.
Eine Frau öffnet die Tür. Anfang dreißig vielleicht. Kopfhörer um den Hals, Handy in der Hand, leicht genervter Gesichtsausdruck. Pat erkennt ihn sofort. Den kennt sie. Nicht die Frau – den Zustand.
Bevor Pat nachdenken kann, sagt sie:
„Entschuldigung.“
Die Frau bleibt stehen, schaut sie an.
„Brauchen Sie vielleicht noch eine Werbetexterin?“
Stille. Eine Sekunde zu lang. Zwei.
„Äh“, sagt die Frau. „Jetzt gerade?“
Pat zuckt mit den Schultern. „Jetzt gerade. Oder bald. Oder irgendwann.“
Die Frau mustert sie. Barfuß ist sie nicht mehr, aber ihre Schuhe sind nicht dafür gemacht, lange zu stehen. Pat merkt, dass sie leicht zittert. Sie hasst das.
„Haben Sie…“, beginnt die Frau.
„Zehn Jahre Erfahrung“, sagt Pat. „Marke, Kampagne, Strategie. Ich kann verkaufen, ohne zu lügen. Meistens.“
Ein Mundwinkel der Frau zuckt.
„Haben Sie einen Lebenslauf?“
Pat schüttelt den Kopf. „Im Hotel. Und im Kopf.“
Wieder diese Pause. Dann seufzt die Frau. Nicht genervt. Eher müde.
„Kommen Sie rein. Fünf Minuten.“
Drinnen riecht es nach Kaffee und Papier. Pat setzt sich auf einen Stuhl, der ein bisschen zu niedrig ist. Ihr Herz klopft. Nicht wegen Angst. Wegen Normalität.
„Woher kommen Sie?“, fragt die Frau.
„Von einem schlechten Tag“, sagt Pat ehrlich. „Und aus Deutschland.“
„Wann könnten Sie anfangen?“
Pat denkt an die Nacht. An Laternen. An Krallen auf Stein. An einen Mann, der gesagt hat, sie sei gesehen worden.
„Jetzt“, sagt sie.
Die Frau nickt langsam. „Okay.“
Und in diesem Moment merkt Pat etwas sehr Unangenehmes:
Niemand hier sieht irgendetwas an ihr.
Keine Markierung. Kein Leuchten. Kein Wissen.
Nur eine Frau, die Arbeit sucht.
Und das ist fast beunruhigender als alles andere.
Wenn du willst, können wir als Nächstes:
die erste Irritation im Arbeitsalltag schreiben
oder eine Szene, in der der Wächter unerwartet wieder auftaucht – unauffällig
oder eine Situation, in der Pat merkt: Nicht alle sehen nichts.
Sag mir einfach, wo es weiterziehen soll.
Sehr gut. Dann machen wir Arbeit.
Nicht sexy. Nicht mystisch. Tragfähig.
Ich schreibe dir wieder eine Fortsetzungs-Szene, ruhig, fokussiert, mit diesem unterschwelligen „Ich richte mich hier ein, ob ihr wollt oder nicht“. Die Wesen bleiben draußen. Absichtlich.
Szene: Die Kampagne
Die Agentur ist kleiner, als Pat erwartet hat. Sechs Schreibtische. Zwei davon unaufgeräumt. Einer offensichtlich verwaist. An der Wand hängt ein Moodboard, das schon bessere Tage gesehen hat. Farben, Typo, Schlagworte, die niemand mehr ernst meint.
„Wir brauchen eine Kampagne“, sagt die Frau von gestern, die sich als Klára vorstellt. „Für einen Kunden, der glaubt, Prag sei… na ja. Zu viel Prag.“
Pat nickt. „Zu schön. Zu alt. Zu voll.“
Klára lächelt schief. „Genau.“
Der Kunde will jünger wirken. Internationaler. Weniger Postkarte, mehr Gefühl. Pat hört zu, macht sich Notizen, fragt nicht nach Budget. Noch nicht. Das kann sie später.
Nach einer Stunde sitzt sie an einem Schreibtisch, der nicht ihrer ist, aber es gerade sein darf. Laptop offen. Kaffee. Ein Stift, der überraschend gut schreibt.
Sie denkt an Prag.
Nicht an die Burg. Nicht an Brücken.
Sondern an:
nasses Pflaster
Licht im Regen
Schritte, die nicht wissen, wohin sie gehören
Sie schreibt ein erstes Wort auf:
Dazwischen.
Dann streicht sie es wieder. Zu erklärend.
Sie probiert:
Bleib.
Nein.
Verlier dich.
Zu kitschig.
Sie lehnt sich zurück, schließt kurz die Augen. Atmet. Arbeit fühlt sich vertraut an. Sicher. Regeln. Wirkung.
Sie schreibt:
Prag ist keine Stadt, die dich empfängt.
Sie bemerkt dich.
Pat hält inne.
Tippt weiter.
Und wenn du bleibst, verändert sie dich nicht.
Sie hört nur auf, dich zu ignorieren.
Sie speichert das Dokument. Version 1.0. Roh. Unsauber. Ehrlich.
„Das ging schnell“, sagt Klára, die hinter ihr aufgetaucht ist.
„Ich bin gut im Zuhören“, antwortet Pat. „Und schlecht im Schönreden.“
Klára liest. Langsam. Dann nickt sie. „Das ist… unangenehm.“
„Gern geschehen.“
Am Nachmittag diskutieren sie Farben. Grau in Grau? Zu mutig. Warmes Gelb? Zu touristisch. Pat argumentiert ruhig. Bestimmt. Sie gewinnt zwei von drei Punkten. Das reicht.
Gegen fünf merkt sie, dass sie seit Stunden nicht an die Nacht gedacht hat.
Das beunruhigt sie kurz.
Dann lässt sie es.
Beim Rausgehen bleibt sie vor der Glasfront stehen. Ihr Spiegelbild wirkt… normal. Müde. Konzentriert. Eine Frau mit Job. Mit Aufgabe.
Pat lächelt sich nicht an.
Sie akzeptiert sich.
Die Stadt draußen ist dieselbe wie gestern.
Aber sie gehört ihr ein kleines bisschen mehr.
Und das reicht.
Für heute.
Was diese Szene tut, ohne es laut zu sagen:
Pat nimmt Raum ein
sie definiert sich nicht über das Übernatürliche
Prag wird thematisch gespiegelt, nicht erklärt
Normalität wird erarbeitet, nicht geschenktSzene: Die Kampagne
Die Agentur ist kleiner, als Pat erwartet hat. Sechs Schreibtische. Zwei davon unaufgeräumt. Einer offensichtlich verwaist. An der Wand hängt ein Moodboard, das schon bessere Tage gesehen hat. Farben, Typo, Schlagworte, die niemand mehr ernst meint.
„Wir brauchen eine Kampagne“, sagt die Frau von gestern, die sich als Klára vorstellt. „Für einen Kunden, der glaubt, Prag sei… na ja. Zu viel Prag.“
Pat nickt. „Zu schön. Zu alt. Zu voll.“
Klára lächelt schief. „Genau.“
Der Kunde will jünger wirken. Internationaler. Weniger Postkarte, mehr Gefühl. Pat hört zu, macht sich Notizen, fragt nicht nach Budget. Noch nicht. Das kann sie später.
Nach einer Stunde sitzt sie an einem Schreibtisch, der nicht ihrer ist, aber es gerade sein darf. Laptop offen. Kaffee. Ein Stift, der überraschend gut schreibt.
Sie denkt an Prag.
Nicht an die Burg. Nicht an Brücken.
Sondern an:
nasses Pflaster
Licht im Regen
Schritte, die nicht wissen, wohin sie gehören
Sie schreibt ein erstes Wort auf:
Dazwischen.
Dann streicht sie es wieder. Zu erklärend.
Sie probiert:
Bleib.
Nein.
Verlier dich.
Zu kitschig.
Sie lehnt sich zurück, schließt kurz die Augen. Atmet. Arbeit fühlt sich vertraut an. Sicher. Regeln. Wirkung.
Sie schreibt:
Prag ist keine Stadt, die dich empfängt.
Sie bemerkt dich.
Pat hält inne.
Tippt weiter.
Und wenn du bleibst, verändert sie dich nicht.
Sie hört nur auf, dich zu ignorieren.
Sie speichert das Dokument. Version 1.0. Roh. Unsauber. Ehrlich.
„Das ging schnell“, sagt Klára, die hinter ihr aufgetaucht ist.
„Ich bin gut im Zuhören“, antwortet Pat. „Und schlecht im Schönreden.“
Klára liest. Langsam. Dann nickt sie. „Das ist… unangenehm.“
„Gern geschehen.“
Am Nachmittag diskutieren sie Farben. Grau in Grau? Zu mutig. Warmes Gelb? Zu touristisch. Pat argumentiert ruhig. Bestimmt. Sie gewinnt zwei von drei Punkten. Das reicht.
Gegen fünf merkt sie, dass sie seit Stunden nicht an die Nacht gedacht hat.
Das beunruhigt sie kurz.
Dann lässt sie es.
Beim Rausgehen bleibt sie vor der Glasfront stehen. Ihr Spiegelbild wirkt… normal. Müde. Konzentriert. Eine Frau mit Job. Mit Aufgabe.
Pat lächelt sich nicht an.
Sie akzeptiert sich.
Die Stadt draußen ist dieselbe wie gestern.
Aber sie gehört ihr ein kleines bisschen mehr.
Und das reicht.
Für heute.
Was diese Szene tut, ohne es laut zu sagen:
Pat nimmt Raum ein
sie definiert sich nicht über das Übernatürliche
Prag wird thematisch gespiegelt, nicht erklärt
Normalität wird erarbeitet, nicht geschenktSzene: Die Kampagne
Die Agentur ist kleiner, als Pat erwartet hat. Sechs Schreibtische. Zwei davon unaufgeräumt. Einer offensichtlich verwaist. An der Wand hängt ein Moodboard, das schon bessere Tage gesehen hat. Farben, Typo, Schlagworte, die niemand mehr ernst meint.
„Wir brauchen eine Kampagne“, sagt die Frau von gestern, die sich als Klára vorstellt. „Für einen Kunden, der glaubt, Prag sei… na ja. Zu viel Prag.“
Pat nickt. „Zu schön. Zu alt. Zu voll.“
Klára lächelt schief. „Genau.“
Der Kunde will jünger wirken. Internationaler. Weniger Postkarte, mehr Gefühl. Pat hört zu, macht sich Notizen, fragt nicht nach Budget. Noch nicht. Das kann sie später.
Nach einer Stunde sitzt sie an einem Schreibtisch, der nicht ihrer ist, aber es gerade sein darf. Laptop offen. Kaffee. Ein Stift, der überraschend gut schreibt.
Sie denkt an Prag.
Nicht an die Burg. Nicht an Brücken.
Sondern an:
nasses Pflaster
Licht im Regen
Schritte, die nicht wissen, wohin sie gehören
Sie schreibt ein erstes Wort auf:
Dazwischen.
Dann streicht sie es wieder. Zu erklärend.
Sie probiert:
Bleib.
Nein.
Verlier dich.
Zu kitschig.
Sie lehnt sich zurück, schließt kurz die Augen. Atmet. Arbeit fühlt sich vertraut an. Sicher. Regeln. Wirkung.
Sie schreibt:
Prag ist keine Stadt, die dich empfängt.
Sie bemerkt dich.
Pat hält inne.
Tippt weiter.
Und wenn du bleibst, verändert sie dich nicht.
Sie hört nur auf, dich zu ignorieren.
Sie speichert das Dokument. Version 1.0. Roh. Unsauber. Ehrlich.
„Das ging schnell“, sagt Klára, die hinter ihr aufgetaucht ist.
„Ich bin gut im Zuhören“, antwortet Pat. „Und schlecht im Schönreden.“
Klára liest. Langsam. Dann nickt sie. „Das ist… unangenehm.“
„Gern geschehen.“
Am Nachmittag diskutieren sie Farben. Grau in Grau? Zu mutig. Warmes Gelb? Zu touristisch. Pat argumentiert ruhig. Bestimmt. Sie gewinnt zwei von drei Punkten. Das reicht.
Gegen fünf merkt sie, dass sie seit Stunden nicht an die Nacht gedacht hat.
Das beunruhigt sie kurz.
Dann lässt sie es.
Beim Rausgehen bleibt sie vor der Glasfront stehen. Ihr Spiegelbild wirkt… normal. Müde. Konzentriert. Eine Frau mit Job. Mit Aufgabe.
Pat lächelt sich nicht an.
Sie akzeptiert sich.
Die Stadt draußen ist dieselbe wie gestern.
Aber sie gehört ihr ein kleines bisschen mehr.
Und das reicht.
Für heute.
Szene: Die Kampagne
Die Agentur ist kleiner, als Pat erwartet hat. Sechs Schreibtische. Zwei davon unaufgeräumt. Einer offensichtlich verwaist. An der Wand hängt ein Moodboard, das schon bessere Tage gesehen hat. Farben, Typo, Schlagworte, die niemand mehr ernst meint.
„Wir brauchen eine Kampagne“, sagt die Frau von gestern, die sich als Klára vorstellt. „Für einen Kunden, der glaubt, Prag sei… na ja. Zu viel Prag.“
Pat nickt. „Zu schön. Zu alt. Zu voll.“
Klára lächelt schief. „Genau.“
Der Kunde will jünger wirken. Internationaler. Weniger Postkarte, mehr Gefühl. Pat hört zu, macht sich Notizen, fragt nicht nach Budget. Noch nicht. Das kann sie später.
Nach einer Stunde sitzt sie an einem Schreibtisch, der nicht ihrer ist, aber es gerade sein darf. Laptop offen. Kaffee. Ein Stift, der überraschend gut schreibt.
Sie denkt an Prag.
Nicht an die Burg. Nicht an Brücken.
Sondern an:
nasses Pflaster
Licht im Regen
Schritte, die nicht wissen, wohin sie gehören
Sie schreibt ein erstes Wort auf:
Dazwischen.
Dann streicht sie es wieder. Zu erklärend.
Sie probiert:
Bleib.
Nein.
Verlier dich.
Zu kitschig.
Sie lehnt sich zurück, schließt kurz die Augen. Atmet. Arbeit fühlt sich vertraut an. Sicher. Regeln. Wirkung.
Sie schreibt:
Prag ist keine Stadt, die dich empfängt.
Sie bemerkt dich.
Pat hält inne.
Tippt weiter.
Und wenn du bleibst, verändert sie dich nicht.
Sie hört nur auf, dich zu ignorieren.
Sie speichert das Dokument. Version 1.0. Roh. Unsauber. Ehrlich.
„Das ging schnell“, sagt Klára, die hinter ihr aufgetaucht ist.
„Ich bin gut im Zuhören“, antwortet Pat. „Und schlecht im Schönreden.“
Klára liest. Langsam. Dann nickt sie. „Das ist… unangenehm.“
„Gern geschehen.“
Am Nachmittag diskutieren sie Farben. Grau in Grau? Zu mutig. Warmes Gelb? Zu touristisch. Pat argumentiert ruhig. Bestimmt. Sie gewinnt zwei von drei Punkten. Das reicht.
Gegen fünf merkt sie, dass sie seit Stunden nicht an die Nacht gedacht hat.
Das beunruhigt sie kurz.
Dann lässt sie es.
Beim Rausgehen bleibt sie vor der Glasfront stehen. Ihr Spiegelbild wirkt… normal. Müde. Konzentriert. Eine Frau mit Job. Mit Aufgabe.
Pat lächelt sich nicht an.
Sie akzeptiert sich.
Die Stadt draußen ist dieselbe wie gestern.
Aber sie gehört ihr ein kleines bisschen mehr.
Und das reicht.
Für heute.
Szene: Die Kampagne
Die Agentur ist kleiner, als Pat erwartet hat. Sechs Schreibtische. Zwei davon unaufgeräumt. Einer offensichtlich verwaist. An der Wand hängt ein Moodboard, das schon bessere Tage gesehen hat. Farben, Typo, Schlagworte, die niemand mehr ernst meint.
„Wir brauchen eine Kampagne“, sagt die Frau von gestern, die sich als Klára vorstellt. „Für einen Kunden, der glaubt, Prag sei… na ja. Zu viel Prag.“
Pat nickt. „Zu schön. Zu alt. Zu voll.“
Klára lächelt schief. „Genau.“
Der Kunde will jünger wirken. Internationaler. Weniger Postkarte, mehr Gefühl. Pat hört zu, macht sich Notizen, fragt nicht nach Budget. Noch nicht. Das kann sie später.
Nach einer Stunde sitzt sie an einem Schreibtisch, der nicht ihrer ist, aber es gerade sein darf. Laptop offen. Kaffee. Ein Stift, der überraschend gut schreibt.
Sie denkt an Prag.
Nicht an die Burg. Nicht an Brücken.
Sondern an:
nasses Pflaster
Licht im Regen
Schritte, die nicht wissen, wohin sie gehören
Sie schreibt ein erstes Wort auf:
Dazwischen.
Dann streicht sie es wieder. Zu erklärend.
Sie probiert:
Bleib.
Nein.
Verlier dich.
Zu kitschig.
Sie lehnt sich zurück, schließt kurz die Augen. Atmet. Arbeit fühlt sich vertraut an. Sicher. Regeln. Wirkung.
Sie schreibt:
Prag ist keine Stadt, die dich empfängt.
Sie bemerkt dich.
Pat hält inne.
Tippt weiter.
Und wenn du bleibst, verändert sie dich nicht.
Sie hört nur auf, dich zu ignorieren.
Sie speichert das Dokument. Version 1.0. Roh. Unsauber. Ehrlich.
„Das ging schnell“, sagt Klára, die hinter ihr aufgetaucht ist.
„Ich bin gut im Zuhören“, antwortet Pat. „Und schlecht im Schönreden.“
Klára liest. Langsam. Dann nickt sie. „Das ist… unangenehm.“
„Gern geschehen.“
Am Nachmittag diskutieren sie Farben. Grau in Grau? Zu mutig. Warmes Gelb? Zu touristisch. Pat argumentiert ruhig. Bestimmt. Sie gewinnt zwei von drei Punkten. Das reicht.
Gegen fünf merkt sie, dass sie seit Stunden nicht an die Nacht gedacht hat.
Das beunruhigt sie kurz.
Dann lässt sie es.
Beim Rausgehen bleibt sie vor der Glasfront stehen. Ihr Spiegelbild wirkt… normal. Müde. Konzentriert. Eine Frau mit Job. Mit Aufgabe.
Pat lächelt sich nicht an.
Sie akzeptiert sich.
Die Stadt draußen ist dieselbe wie gestern.
Aber sie gehört ihr ein kleines bisschen mehr.
Und das reicht.
Für heute.
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